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Arbeitsschutz: Sicher arbeiten in der eigenen Werkstatt

Ob in der KFZ-Werkstatt oder der eigenen heimischen zur Werkstatt umfunktionierten Garage, die Grundlagen des Arbeitsschutzes gelten für alle Autointeressierten, die gern selbst tunen oder reparieren. Unfälle beim Umgang mit der schweren Karosserie, Chemikalien und Werkzeugen sind vermeidbar, wenn alle essentiellen Fragen der Sicherheit auch im privaten Raum eingehalten werden. Für Unternehmen sind die Bestimmungen nach DIN 33 400 verpflichtend. Welchen Anforderungen müssen Werkstätten gerecht werden?

werkstatt

Die DIN 33 400 im Alltag

Alle Arbeitsplätze unterliegen, nach Bestimmungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz, Regeln zu Gestaltung, Aufbau und Nutzung. Im beruflichen und öffentlichen Bereich können Verstöße zur vorläufigen Schließung von Unternehmen führen, im Privatbereich gilt das Prinzip der freiwilligen Selbstverpflichtung und -kontrolle. Zudem sind durch Unfall- und Krankenversicherung nur solche Unfälle abgedeckt, die im korrekt gesicherten Umfeld geschehen, meist durch unvorhergesehene Faktoren. Während es im Grunde gleich ist, ob der heimische Büroarbeitsplatz wirklich ergonomisch eingerichtet ist, auch wenn die falsche Sitzhaltung Rücken, Muskulatur und Augen schädigen kann, können Unfälle in der Werkstatt schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Aufbau, Sicherung und Wartung des Arbeitsplatzes, wie nach DIN 33 400 beschrieben, sind daher nicht optional, sondern essentiell für die Tätigkeit rund um KFZ und Fahrzeuge.

Aufbau und Sicherung des Arbeitsplatzes

Um als Arbeitsplatz überhaupt in Frage zu kommen, müssen Werkstätten von Grund auf einige Anforderungen erfüllen. Sie müssen groß genug sein, um sich frei zu bewegen und alle nötigen Bewegungsabläufe auch mit Maschinen ausführen zu können. Alle Oberflächen, die dazu genutzt werden, müssen stand- und trittsicher sein. Gesundheitsschädigende Einwirkungen wie Lärm, Staub und Zugluft müssen so weit wie möglich vermieden werden (etwa durch Gehör- und Sichtschutz, Atemschutz, Klimaregulierung). Alle großen Maschinen und Hebebühnen müssen einen Sicherheitsabstand zu den normalen Arbeitswegen aufweisen. Die durch die Bundesanstalt festgelegten Maße hierzu betragen 3,70 Meter zu 7,20 Meter pro Hebebühne, wobei der Abstand zum nächsten Arbeitsplatz mindestens 1,80 Meter betragen sollte. Zwischen Fahrzeugvorderkante und Werkbank sollten 1,50 Meter liegen, die an der Hallendecke zu befestigende Energieampel darf auf maximal 1,90 Meter Höhe liegen, um für Menschen ab 1,63 Meter Körperhöhe erreichbar zu sein. Die Energieampel sollte sich nie weiter als einen Schritt vom Fahrzeugarbeitsplatz entfernt befinden, dessen Abmessungen sich aus den Maßen eines gewöhnlichen PKW mit geöffneten Türen ergibt.

Arbeitsbedingungen in der KFZ-Werkstatt

Bei der Ausstattung der Werkstatt mit neuen Geräten, zu Inbetriebnahme oder bei Ersatz alter Werkzeuge und Maschinen, ist darauf zu achten, dass die Geräte der EG-Richtlinie 89/392/EWG gerecht werden, möglichst energiesparsam arbeiten und so leise wie möglich arbeiten. Trotz Gehörschutz kann ein lauter Arbeitsplatz mit Geräuschen über 85 dB, beziehungsweise kurzen Expositionen zu mehr als 137 dB zu langfristigen Hörschäden führen. Für die Arbeit an Fahrzeugen ist auch die geduckte, oder nach oben verlagerte Körperhaltung ein Risikofaktor. Neigbare Hebebühnen bieten sich hier für längere Arbeiten an, um Schäden zu vermeiden. Um Abnutzungen oder Verletzungen der Gelenke zu vermeiden, sollten insbesondere manuell zu bedienende Werkzeuge ergonomisch geformte Griffe ausweisen. Alle Geräte, die dem Heben von Karosserie dienen, müssen regelmäßig durch den TÜV geprüft werden. Hebebühnen nach 98/37/EG, die dem Heben von Fahrzeugen dienen, müssen nach BGG 945 vor Inbetriebnahme und mindestens einmal pro Jahr geprüft werden. Bei häufigem oder Dauergebrauch empfiehlt sich eine Prüfung im Quartal. Auch andere Geräte in der Werkstatt unterliegen einer regelmäßigen Prüfung, deren Bedingungen bei Kauf oder bei dem ursprünglichen Hersteller erfragt werden kann. Die Arbeitskleidung in der KFZ-Werkstatt sollte robust, abriebfest und wenn mit brennbaren Chemikalien und Schweißwerkzeugen gearbeitet wird, brandsicher sein. Trittsichere Schuhe und Gelenkschutz sollten ebenso dazu zählen wie angemessener Hand-, Augen- und Gehörschutz. Statt für ein Mal verwendbare Schutzaccessoires sollte der Umwelt zuliebe auf Profikleidung gesetzt werden. Weitere Details zu den Bestimmungen rund um die Arbeitssicherheit in KFZ-Werkstätten finden sich in der 1993 veröffentlichten Broschüre “Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsumgebung in Kfz-Werkstätten“.

Was tun beim Arbeitsunfall?

Jeder Unfall der trotz gewährleisteter Sicherheit während der Arbeit in der Werkstatt geschieht, ist als Arbeitsunfall zu werten, solange die ausgeführte Tätigkeit zum Tagesbetrieb gehörte. Nach der Erstversorgung und dem Rufen oder Aufsuchen eines Arztes, wird der Unfall im firmeneigenen Verbandbuch o.ä. dokumentiert, und Berufsgenossenschaft und Gewerbeaufsicht gemeldet, wenn der Mitarbeiter länger als 3 Tage ausfällt. Die Meldung an die Berufsgenossenschaft sollte, wenn Ansprüche geltend gemacht werden sollen, durch einen Anwalt erfolgen. Die Genossenschaft ist verpflichtet, die Arbeitsfähigkeit mit geeigneten Mitteln wiederherzustellen. Ist dies nicht möglich, greift die Berufsunfähigkeitsversicherung, in die alle handwerklich Tätigen zusätzlich einzahlen sollten. Um schwere Unfälle zu vermeiden sollte jeder, der mit Karosserie arbeitet, penibel auf die Einhaltung der Sicherheitsanforderungen achten, auch wenn diese nach vielen Jahren Routine oft zu eng gesteckt erscheinen. Nicht jeder, aber doch viele Arbeitsunfälle, lassen sich durch Achtsamkeit verhindern.

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